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Kattermann, V. (2006). Welzer, Harald: Täter. Wie aus ganz normalen Menschen Massenmörder werden. Frankfurt/M. (S. Fischer Verlag) 2005. 336 Seiten, € 19,90.. Psyche – Z Psychoanal., 60(7):678-680.

(2006). Psyche – Zeitschrift für Psychoanalyse, 60(7):678-680

Buchbesprechungen

Welzer, Harald: Täter. Wie aus ganz normalen Menschen Massenmörder werden. Frankfurt/M. (S. Fischer Verlag) 2005. 336 Seiten, € 19,90.

Review by:
Vera Kattermann

«Wenn Menschen, die eine gleiche Erziehung genossen haben wie ich, die gleichen Worte sprechen wie ich und gleiche Bücher, gleiche Musik, gleiche Gemälde lieben wie ich - wenn diese Menschen keineswegs gesichert sind vor der Möglichkeit, Unmenschen zu werden und Dinge zu tun, die wir den Menschen unserer Zeit, ausgenommen die pathologischen Einzelfälle, vorher nicht hätten zutrauen können, woher nehme ich die Zuversicht, daß ich davor gesichert sei?»

Dieses Zitat von Max Frisch stellt Harald Welzer seinem Buch über Täter des Nationalsozialismus voran und vermittelt dadurch ein Gefühl drängender innerer Unruhe, das den Hintergrund seiner Arbeit gebildet haben dürfte. In Frischs Überlegung wird die psychische Nähe zu den NS- Tätern gerade durch eine phantasierte Seelenverwandtschaft beängstigend groß und kulminiert in der Frage: «Könnte auch ich so einer geworden sein?»

Welzer geht in seinem Buch an die Täter «ganz nah ran». Gegenübertragungsreaktionen wie Aversion oder Fassungslosigkeit werden zwar kurz erwähnt, das Buch plädiert aber für ein sachliches «Verweilen beim Grauen» (H. Arendt). Der Autor kritisiert eine intellektuelle und politische Selbstentmündigung, die er darin erkennt, «jedes Mal dann, wenn sich ein massenmörderischer Prozess […] vollzogen hat, über die dabei freigesetzte Grausamkeit so entsetzt zu sein, als wäre es das erste Mal» (S.

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