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Meng, H. (1928). Zur Psychologie der Nacktkultur. Zeitschrift für psychoanalytische Pädagogik, 3(2-3):71.
    

(1928). Zeitschrift für psychoanalytische Pädagogik, 3(2-3):71

Zur Psychologie der Nacktkultur

Heinrich Meng

Dann und wann werden in der Sprechstunde Beobachtungen mitgeteilt, die Eltern machten, wenn sie ihre Kinder von den ersten Lebensjahren ab teilnehmen ließen bei Nacktbaden und Nacktgymmastik. Eine dieser Mitteilungen lautet folgendermaßen:

Ein Vater berichtet, daß seine nun neunzehnjährige Tochter stets anwesend war, wenn er und seine Frau im Badezimmer badeten und Nacktgymnastik trieben. Er glaubte aus der guten seelischen Entwicklung seiner Tochter annehmen zu dürfen, daß er damit ihr eine Reihe von Konflikten erspart hätte, auch eigentlich sie nie hätte aufklären müssen. — Einige Zeit später kam die Tochter selbst zur Sprechstunde wegen einer Reihe von Beschwerden, wie Schlaflosigkeit, übermäßige menstruelle Blutungen, und berichtete unter anderem, der Anblick der nackten Eltern habe sie stets in einem Maße sexuell gereizt, daß sie Jahre hindurch an Schlafstörungen wechselnder Art und verschiedenen Grades litt. Sie habe schon sehr früh den Versuch gemacht, den Reiz durch Onanie zu überwinden; es sei teilweise gelungen, aber andererseits litt sie sehr stark unter dem Onaniekonflikt. Nach ihrer bewußten Erinnerung onaniert sie vom dritten Lebensjahre fast ununterbrochen bis zum neunzehnten Lebensjahr. Da eine analytische Behandlung nicht stattfand, läßt sich über die unbewußte Verarbeitung der Nacktheitsszenen mit Sicherheit nichts sagen.

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