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Ferenczi†, S. (1933). Ein kleiner Hahnemann. Zeitschrift für psychoanalytische Pädagogik, 7(5-6):169-175.

(1933). Zeitschrift für psychoanalytische Pädagogik, 7(5-6):169-175

Ein kleiner Hahnemann

Sandor Ferenczi†

Eine Dame, die als einstige Patientin an den psychoanalytischen Bestrebungen Anteil nimmt, machte mich auf den Fall eines kleinen Jungen aufmerksam, von dem sie vermutete, daß er auch uns interessieren werde.

Es handelte sich um einen damals fünfjährigen Knaben, den kleinen Arpád, der nach der übereinstimmenden Aussage aller Angehörigen bis zum Alter von dreieinhalb Jahren sich geistig und körperlich vollkommen regelrecht entwickelt haben und ein ganz normales Kind gewesen sein soll; er sprach fließend und verriet in seinen Reden viel Intelligenz.

Mit einem Male wurde es ganz anders. Im Sommer 1910 reiste die Familie in einen österreichischen Kurort, wo sie auch den vorausgegangenen Sommer verbracht hatte, und mietete sich in dieselbe Wohnung wie im Vorjahre ein, Sofort nach der Ankunft veränderte sich das Wesen des Kindes in merkwürdiger Weise. Früher interessierte er sich für alle Vorgänge in und außer Hause, die die Aufmerksamkeit eines Kindes fesseln können; von nun an hatte er nur für ein einziges Ding Interesse, und das war das Geflügelhaus im Hofe der Sommerwohnung. In aller Früh eilte er zum Federvieh, betrachtete es mit unermüdlichem Interesse, ahmte dessen Stimmen und Bewegungen nach, schrie und weinte, wenn er aus dem Hühnerhof mit Gewalt entfernt wurde. Doch selbst fern vom Geflügelhaus tat er nichts anderes als krähen und gackern. Er tat das stundenlang unausgesetzt, antwortete auf Fragen nur mit diesen Tierstimmen, so daß die Mutter ernstlich besorgt war, ihr Kind werde das Reden verlernen.

Diese Sonderbarkeit des kleinen Arpád hielt während der ganzen Dauer des Sommeraufenthaltes an.

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