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Pörtl, A. (1933). Verspätete Reinlichkeitsgewöhnung. Zeitschrift für psychoanalytische Pädagogik, 7(5-6):224-232.

(1933). Zeitschrift für psychoanalytische Pädagogik, 7(5-6):224-232

HEILPÄDAGOGIK IM KINDERGARTNEN

Verspätete Reinlichkeitsgewöhnung

Anni Pörtl

Rudi S. kommt im September 1932 zu mir in die Sondergruppe. Vier Jahre, neun Monate alt, ist er ein kleines, zartes, blasses Kind, mit verkrampft scheuem Ausdruck und ständig niedergeschlagenen Augen. Auffällig ist seine Haltung; sein Körper bildet mit den Beinen einen nahezu rechten Winkel, es bewegen sich beim Gehen und Laufen nur die Beine vom Knie abwärts, während Kniee und Schenkel fest aneinandergepreßt bleiben. Sein Verhalten ist völlig passiv. Seine scheinbare Teilnahmslosigkeit ist der Ausdruck schwerer Hemmungen, die ihn weder spielen noch arbeiten lassen, und ihn so mutlos erscheinen lassen, da er den Kontakt mit der Außenwelt aufgegeben und sich in sich selbst zurückgezogen hat. So ist er schließlich nicht fähig etwas selbständig zu unternehmen, er reagiert nicht auf Bitten oder Aufforderungen, er spricht keinen Wunsch aus und redet fast überhaupt nichts.

Das einzige Zeichen einer aktiven Stellungnahme zur Außenwelt scheint anfangs ein großer Muskel widerstand zu sein, welchen er bei jeder Bewegung, so beim Gehen und Laufen, zeigt. Er bereitet auch beim Essen Schwierigkeiten und solche in der Reinlichkeitserziehung, er kotet sich oft und näßt sich täglich ein. Später erkennen wir auch da, daß es die Auswirkungen schwerer Hemmungen sind. Charakteristisch für Rudi waren die Beobachtungen, die wir in Anwesenheit seiner Mutter an ihm machten.

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