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Freud, A. (1935). Ich und Es in der Pubertät. Zeitschrift für psychoanalytische Pädagogik, 9(5-6):319-328.
   

(1935). Zeitschrift für psychoanalytische Pädagogik, 9(5-6):319-328

Ich und Es in der Pubertät

Anna Freud

Von allen Perioden im menschlichen Leben, in denen die Bedeutung des Trieblebens unverkennbar in den Vordergrund tritt, hat die Pubertät seit jeher die meiste Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Die psychischen Erscheinungen, die das Eintreten der Geschlechtsreife begleiten, beschäftigen die Psychologie seit langem. Wir finden in der außeranalytischen Literatur immer wieder eindrucksvolle Schilderungen der Charakterveränderungen, die in diesen Jahren vor sich gehen, der Störungen im psychischen Gleichgewicht, vor allem der unverständlichen und nicht zu vereinbarenden Gegensätze im Seelenleben des Einzelnen. Der Jugendliche ist gleichzeitig im stärksten Maße egoistisch, betrachtet sich selbst als den Mittelpunkt der Welt, auf den das ganze eigene Interesse konzentriert ist, und ist doch wie nie mehr im späteren Leben opferfähig und zur Hingabe bereit. Er formt die leidenschaftlichsten Liebesbeziehungen, bricht sie aber ebenso unvermittelt ab, wie er sie begonnen hat. Er wechselt zwischen begeistertem Anschluß an die Gemeinschaft und unüberwindlichem Hang nach Einsamkeit; zwischen blinder Unterwerfung unter einen selbstgewählten Führer und trotziger Auflehnung gegen alle und jede Autorität. Er ist eigennützig und materiell gesinnt, dabei gleichzeitig von hohem Idealismus erfüllt. Er ist asketisch, mit plötzlichen Durchbrüchen in primitivste Triebbefriedigungen.

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