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Fenichel, O. (1929). Beispiele zur Traumdeutung. Almanach der Psychoanalyse, 4:241-247.

(1929). Almanach der Psychoanalyse, 4:241-247

Beispiele zur Traumdeutung

Otto Fenichel

Aus der „Internationalen Zeitschrift für Psychoanalyse“.

I) Ein verdichteter Traum

Es ist bekannt, daß es ganz kurze Träume gibt, die in höchst verdichteter Form die ganze Neurose oder Entwicklungsgeschichte eines Menschen enthalten. Ich hatte unlängst Gelegenheit, einen solchen Traum zu analysieren, der vielleicht Interesse beanspruchen darf, weil er aus einem einzigen Worte besteht. Er lautet nämlich: Bienen. Der Träumer wußte nicht einmal anzugeben, ob er im Traume Bienen sah oder ob er nur das Wort „Bienen“ hörte.

Der Träumer ist ein 36jähriger Mann, der bereits in einem vorgeschrittenen Stadium seiner wegen Charakterschwierigkeiten begonnenen Analyse steht. Diese Schwierigkeiten bestanden im wesentlichen manifest außer in seinem ausgesprochenen moralischen Masochismus darin, daß er sozusagen seinen Ödipuskomplex lebte: Einerseits bildete der bewußte Haß gegen seinen tyrannischen Vater, der immer vergebliche Kampf gegen ihn, den Hauptinhalt seines Lebens; andererseits lebte er seit Jahren mit einer viel älteren Frau zusammen, an die er, obwohl sie ihm bewußt weder seelisch noch sexuell viel bedeutete, gebunden blieb. — Der Patient hatte trotz überdurchschnittlicher Intelligenz und Begabung keinen Beruf. Die Geschichte seiner gescheiterten Berufsversuche ließ deutlich erkennen, daß auch die Berufslosigkeit einer Haßregung gegen den Vater Ausdruck verlieh (etwa: Du hast es dazu gebracht, daß ich nichts gelernt habe!) und gleichzeitig den Patienten, der im wesentlichen von Unterstützungen seines Vaters lebte, in dauernde Abhängigkeit von ihm brachte.

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