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Ray, N. (2013). Filmessay: Verführung, Rezeptivität und »das Weibliche« in Peter Greenaways Film The Pillow Book (dt. Die Bettlektüre). Int. Psychoanalyse, 8:205-234.
  

(2013). Internationale Psychoanalyse, 8:205-234

Filmessay: Verführung, Rezeptivität und »das Weibliche« in Peter Greenaways Film The Pillow Book (dt. Die Bettlektüre) Language Translation

Nicolas Ray

Wer mit Peter Greenaways Filmen vertraut ist, weiß sehr gut, dass sein Werk voll von Systemen ist. Seine Filme enthalten viele organisatorische Elemente, deren Ziel es ist, dem Dasein eine Ordnung aufzuzwingen: strukturelle Muster, Taxonomien, Darstellungsregeln, Meta-Narrative usw. Diese Systeme können in diegetischer Weise arbeiten, etwa in den Sorgen und Obsessionen der einzelnen Charaktere, oder in nicht-diegetischer Weise, indem sie vor allem die Komposition eines Filmes unterstreichen. Auch wenn sich immer wieder zeigt, dass sie nicht der Realität entsprechen, so ist es doch ihre raison d'etre, zu ordnen; am Ende versagen sie auf komische oder tragische Weise angesichts der Vielfalt dessen, was sie eigentlich ordnen sollen, oder sie zerbrechen daran und werden auf diese Weise schlicht überrollt von dem, was ist. Damit folgen Greenaways Filme einer Ausrichtung, sich der vieler »Mainstream-Filme«, besonders aber derjenigen des Hollywood-Kinos, scharf entgegensetzt. Während letztere meist auf Lösung und Klärung ausgerichtet sind und sich in ihrer jeweiligen Erzählung von Verwirrung zu Stabilität bewegen, macht Greenaway genau diese Sehnsucht nach Synthese und Lösung oft explizit zum ironischen Fokus. Indem sie zunächst das Bemühen um ordnende Prinzipien, Mythen und Erzählungen übertreiben, spüren die Filme beständig deren Erschöpfung und Auflösung und ihrem unvermeidlichen Scheitern beim Versuch, »das Chaos abzuschütteln«, nach.

Mehrere Kommentatoren haben darauf aufmerksam gemacht, dass die Darstellung dieser entropischen Vision häufig in einer Gender-Begrifflichkeit verschlüsselt wird.

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