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Freud, S. (1913). II: DAS TABU UND DIE AMBIVALENZ DER GEFÜHLSREGUNGEN. GESAMMELTE WERKE: IX, 26-92.

Freud, S. (1913). [GWI26a1]II: DAS TABU UND DIE AMBIVALENZ DER GEFÜHLSREGUNGEN. GESAMMELTE WERKE: IX, 26-92

[GWI26a1]II: DAS TABU UND DIE AMBIVALENZ DER GEFÜHLSREGUNGEN Book Information Previous Up Next

Sigm. Freud

[GWI26a2]1

[GWI26a3]Tabu ist ein polynesisches Wort, dessen Übersetzung uns Schwierigkeiten bereitet, weil wir den damit bezeichneten Begriff nicht mehr besitzen. Den alten Römern war er noch geläufig, ihr sacer war dasselbe wie das Tabu der Polynesier. Auch das ᾄγος der Griechen, das Kodausch der Hebräer muß das nämliche bedeutet haben, was die Polynesier durch ihr Tabu, viele Völker in Amerika, Afrika (Madagaskar), Nord- und Zentral-Asien durch analoge Bezeichnungen ausdrücken.

[GWI26a4]Uns geht die Bedeutung des Tabu nach zwei entgegengesetzten Richtungen auseinander. Es heißt uns einerseits: heilig, geweiht, anderseits: unheimlich, gefährlich, verboten, unrein. Der Gegensatz von Tabu heißt im Polynesischen noa = gewöhnlich, allgemein zugänglich. Somit haftet am Tabu etwas wie der Begriff einer Reserve, das Tabu äußert sich auch wesentlich in Verboten und Einschränkungen. Unsere Zusammensetzung “heilige Scheu” würde sich oft mit dem Sinn des Tabu decken.

[GWI26a5]Die Tabubeschränkungen sind etwas anderes als die religiösen oder moralischen Verbote.

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