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Freud, S. (1931). DAS FAKULTÄTSGUTACHTEN IM PROZESS HALSMANN. GESAMMELTE WERKE: XIV, 541-542.

Freud, S. (1931). [GWN541a1]DAS FAKULTÄTSGUTACHTEN IM PROZESS HALSMANN. GESAMMELTE WERKE: XIV, 541-542

[GWN541a1]DAS FAKULTÄTSGUTACHTEN IM PROZESS HALSMANN Book Information Previous Up Next Language Translation

Sigm. Freud

[GWN541a2]Der Professor der Rechte an der Universität Wien, Dr. Josef Hupka, hatte im Zuge seiner Bemühungen um die Rehabilitierung des Studenten Philipp Halsmann den Verfasser aufgefordert, sich zu dem Gutachten der Innsbrucker medizinischen Fakultät zu äußern. Die nachfolgende Äußerung, die der Verfasser Prof. Hupka zur Verfügung stellte, ist zuerst in “Psychoanalytische Bewegung”, Bd. III, 1931 erschienen.

[GWN541a3]Der Ödipuskomplex ist, soweit wir wissen, in der Kindheit bei allen Menschen vorhanden gewesen, hat in den Entwicklungsjahren große Veränderungen erfahren und wird bei vielen Individuen in wechselnder Stärke auch in reifen Zeiten gefunden. Seine wesentlichen Charaktere, seine Allgemeinheit, sein Inhalt, sein Schicksal wurden, lange vor der Zeit der Psychoanalyse, von einem scharfsinnigen Denker wie Diderot erkannt, wie eine Stelle seines berühmten Dialogs “Le neveu de Rameau” beweist. In Goethes Übersetzung dieser Schrift (Band 45 der Sophienausgabe) steht auf Seite 136 zu lesen: “Wäre der kleine Wilde sich selbst überlassen und bewahrte seine ganze Schwäche (imbécillité), vereinigte mit der geringen Vernunft des Kindes in der Wiege die Gewalt der Leidenschaften des Mannes von dreißig Jahren, so bräch' er seinem Vater den Hals und entehrte die Mutter.”

[GWN541a4]Wäre es objektiv erwiesen, daß Philipp Halsmann seinen Vater erschlagen hat, so hätte man allerdings ein Anrecht, den Ödipuskomplex heranzuziehen, zur Motivierung einer sonst unverstandenen Tat.

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