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Hitschmann, E. (1916). Gottfried Keller: Psychoanalytische Behauptungen und Vermutungen Ă¼ber sein Wesen und sein Werk. Imago, 4(5):274-316.

(1916). Imago, 4(5):274-316

Gottfried Keller: Psychoanalytische Behauptungen und Vermutungen über sein Wesen und sein Werk

Dr. Eduard Hitschmann

III Mutter und Schwester

1. Unbewußte Liebe

Eine rührende Gestalt ist Kellers Mutter, der ein Schweizer, August Steiger, eine eigene Studie gewidmet hat. Als bald dreißigjährige Landdoktorstochter heiratete sie den etwas jüngeren, eleganten, weitgereisten und gewandten Drechsler Rudolf Keller, der nach einem kurzen, idealen Bestrebungen und gemeinnützigem Wirken gewidmeten Leben im siebenten Jahre der Ehe starb. In mehr als bescheidenen Verhältnissen zurückgeblieben, lebte sie in ihrer frommen, rechtschaffenen und sparsamen Art nur ihren Kindern. Nach zwei Jahren allerdings heiratete sie den ersten Gesellen des Drechslergeschäftes, aber »es war ein Irrtum und nach wenig Jahren wurde die Ehe wieder geschieden« 〈Bächtold〉. Sie selbst war unermüdlich, vermochte aber nicht ihren Sohn zur Arbeit anzuhalten, sondern gab allzuviel in ihrer Liebe nach. Zieht man den »Grünen Heinrich« heran, um das Verhältnis des Knaben zur Mutter kennen zu lernen, so sieht man die nachsichtige Mutterliebe nicht belohnt. Heinrich übt scharfe Kritik an ihren einfachen Mahlzeiten, verweigert trotzend das Tischgebet, obwohl er sieht, wie tief dies die Mutter kränkt, ängstigt sie durch nächtliches Wegbleiben; stiehlt, belügt sie und täuscht ihren sorglosen Glauben, ein braves und gutartiges Kind zu besitzen, grausam. Nach früheren Schulanständen wird der Fünfzehnjährige eines Tages mit mehr oder minder Berechtigung aus der Schule ausgeschlossen, und die hilflose Witwe sieht ihren Sohn vor die Türe gestellt, mit den Worten: Er ist nicht zu brauchen! Weltunerfahren, unsicher in ihrem beschränkten Witwentum, ist sie nun in Bedrängnis, was weiter mit ihm werden soll, und da Gottfried Maler werden will — »weil es dem halben Kinde als das Buntere und Lustigere erschien« —, gibt sie ihm gegen das Abreden gesetzter Berater schweren Herzens nach, um ihn ja nicht zu einem ihm widerstrebenden Lebensberuf zu bestimmen. Sechs Jahre und ein ordentliches Lehrgeld gehen nun verloren, dann treibt es den jungen Künstler nach München. Das Mütterlein schickt ihm Geld und wieder Geld und schreibt ihm Briefe voll tiefer Bemühung um sein Fortkommen.

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