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Federn, P. (1920). Dr. EMIL LORENZ: Zur Psychologie der Politik. — Über Erziehung und Bildung. Zwei Vorträge, gehalten im Geschichts-Verein für Kärnten. 〈Verlag Johannes Heyn, Klagenfurt.〉. Imago, 6(1):94.

(1920). Imago, 6(1):94

Bümer

Dr. EMIL LORENZ: Zur Psychologie der Politik. — Über Erziehung und Bildung. Zwei Vorträge, gehalten im Geschichts-Verein für Kärnten. 〈Verlag Johannes Heyn, Klagenfurt.〉

Review by:
Paul Federn

Auf psychoanalytischer Basis weist der erste Vortrag nach, welche unbewußten Bindungen die Staatsordnung der Monarchie zusammenhielten. Durch den Zusammenbruch sind uralte, irrationelle Bedürfnisse der Masse ungestillt geblieben und bewirken die »Besessenheit, die sich in Rußland und Mitteleuropa in den Erscheinungen der Revolution« äußert. — Von Interesse ist der psychoanalytische Nachweis, daß in der französischen Revolution nach dem Sturz der Vateridee die mütterliche Beziehung zur Natur als Bindung an das Heimatland sich verstärkte und auch in den gewaltigen Nationalliedern der Zeit, in der Marseillaise und im Chant des departs bis in die Wahl der Symbole und Redewendungen sich ausdrückte. Kraft dieser gemeinsamen Einstellungsbereitschaft zum Mutterland konnte das Volk von diesen Liedern so mächtig mitgerissen werden. — Frankreich hat immer in den schwersten Krisen die Fähigkeit gehabt, eine neue Idee, ein Symbol von hinreißender Gewalt zu finden. »Deutschland dürfte sich glücklich schätzen, wenn es ähnlich begnadet wäre.« — Der zweite Vortrag ist ohne psychoanalytischen Inhalt, wenn er auch zu solchen Fragestellungen anregt.

Dr. Paul Federn.

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