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Róheim, G. (1924). Die Sedna-Sage. Imago, 10(2-3):159-177.

(1924). Imago, 10(2-3):159-177

Die Sedna-Sage

Géza Róheim

I Das Jahresfest der Eskimo

Hall beschreibt eine Festlichkeit der Nugumiut, welche ungefähr zur Weihnachtszeit stattfinden soll. Die Leute versammeln sich im großen Winterhaus und die Schamanen beten um ein fruchtbares Jahr. Am nächsten Tag wird ein Festessen im Freien veranstaltet; jeder verzehrt schweigend seinen Teil und wünscht sich verschiedene gute Dinge, die anscheinend von Sedna gewährt werden sollen. Dann folgt ein zeremonielles Trinken; jeder, der die Schale leert, gibt dabei Ort und Zeit seiner Geburt in feierlicher Weise an. Dann werfen sie sich gegenseitig Geschenke zu, im Glauben, daß ihre Freigebigkeit bei dieser Gelegenheit durch entsprechende Gaben von Sedna, der Göttin der Meerestiefe, gelohnt werden wird. Bald darauf folgt das Neujahrsfest. Zwei Männer (einer als Frau verkleidet) besuchen die einzelnen Hütten und lüschen das Feuer aus, welches jedoch von ihnen angemacht wird. „Neues Feuer, neues Licht“, damit soll die Sonne für das nächste Jahr auf magischem Wege erneuert werden.

Da sie ihr Jahr mit dem Wintersolstitium beginnen, kann der Neu-jahrscharakter dieser Sedna-Feier nicht zweifelhaft sein. Gewöhnlich gilt der Herbst als Zeitpunkt der Sedna-Feier und des Jahresanfangs. Darauf deuten schon die Orakel, die sich um das Fest gruppieren und sich auf das Fangglück des kommenden Jahres beziehen. Die Angakut (Schamanen) begeben sich auf die Reise zu Sedna, der Mutter der Seetiere, um von ihr das Schicksal des kommenden Jahres zu erfahren.

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