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Oberholzer, E. (1913). II. Aus dem infantilen Seelenleben: 1. Ein Kindererlebnis. Internationale Zeitschrift für Psychoanalyse, 1(1):69-70.

(1913). Internationale Zeitschrift für Psychoanalyse, 1(1):69-70

II. Aus dem infantilen Seelenleben: 1. Ein Kindererlebnis

E. Oberholzer

Einer jungen Patientin, die in meiner Behandlung stand, verdanke ich die folgende Kindheitserinnerimg.

Sie wurde in einem fremden und kinderlosen Hanse erzogen. Ein wenig alterer Bub aus der Nachbarschaft, mit dem sie Fread und Leid teilte, war ihre einzige Gesellschaft. Die heute sehr energische Patientin folgte ihm blind und überließ ihm bei den gemeinsamen Spielen die Führung. Er beschützte sie und imponierte ihr. Der Kleine war fur sie — nach ihren eigenen Worten — ein Orakel und eine Autorität.

Eines Tages — sie mochte damals an die fünf Jahre alt sein — erzählte ihr der Bub, wie man im Stall den Stier zur Kuh gelassen babe, er sei neugierig und möchte das auch versuchen. Er veranlagte sie auf dem Estrich sich hinzulegen, um den Versuch auszuführen, der nach vielen Proben mißglückte. Die Kleine war enttäuscht, da sie bisher im Glauben lebte, daß er alles könne. Sie beschlossen, der Sache nachzugehen, und wenn möglich zu erfahren, wie es Vater und Mutter anstellen.

Wenig später erschien der kleine Bub voll Freude und berichtete, jetzt wisse er alles. Der Vater lege sich auf die Mutter und küsse sie, sie wollen es auch so machen. Als auch dieser und ein nächster Versuch mißlang, war das kleine Mädchen nicht nur enttäuscht, sondern gekränkt und beleidigt.

Sie kam auch fortan mit dem Buben zusammen und spielte mit ihm wie früher, aber hatte zu ihm nicht mehr das alte Vertrauen. Er war für sie nicht mehr derjenige, der alles weiß und kann und war bald nicht mehr der einzige, Sie suchte und fand neue Bekanntschaften und behandelte jetzt den alten Freund von oben herab. In einem halben Jahre hatte eine vollständige Umkehr in ihrem Verhältnis Platz gegriffen.

Etwa sechs Jahre später kam der Bub, der ihr Nachbar geblieben war und sie von Zeit zu Zeit sah, mit dem Vorschlag, den alten Versuch zu wiederholen noch einmal. Er wisse nun alles und was die anderen können, könne er auch.

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