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Deutsch, H. (1930). Zur Genese des „Familienromans“. Internationale Zeitschrift für Psychoanalyse, 16(2):249-253.

(1930). Internationale Zeitschrift für Psychoanalyse, 16(2):249-253

KASUISTISCHE BEITRÄGE

Zur Genese des „Familienromans“

Helene Deutsch

Als „Familienroman“ bezeichnen wir nach Freud Phantasiegebilde verschiedenen und mannigfaltigen Inhalts, deren Gemeinsamkeit darin besteht, daß sie sich durchwegs auf die Herkunft des Phantasierenden beziehen. Der allgemeinste bewußte Inhalt des „Familienromans“ lautet: „Ich bin nicht das Kind meiner Eltern“, bzw. „nicht meines Vaters“ oder aber „nicht meinee Mutter“. Zu dieser verleugnenden Komponente kommt dann eine positivr hinzu, die die Frage beantworten soll: „Wessen Kind bin ich also?“ Hier gibt es zwei typische, sich wiederholende Versionen. Die häufigere ist: „Ich bin von höherer Abstammung.“ Die andere: „Ich bin niedrigerer Herkunft,“ ist seltener, aber doch häufig genug, um einer analytischen Erläuterung unterzogen zu werden.

Das Hauptmotiv der erstgenannten Phantasie ist bekanntlich die Tendenz zur narzißtischen Selbsterhebung, sie entspricht dem ursprünglichen infantilen Größenwahn und wird sehr häufig in der Analyse von Menschen gefunden, die an starken Minderwertigkeitsgefühlen leiden. Die Formel: „Jetzt bin ich so, einmal war es anders,“ drückt nicht nur die Wahrnehmung des Unterschiedes im Ichgefühl von früher und jetzt aus, sie ist zugleich ein Triumph der narzißtischen Überkompensierungstendenz über das bestehende Minderwertigkeitsgefühl. Eine ganze Anzahl anderer Motive, die die Phantasien des Familienromans angeregt haben, sind in den verschiedenen Konstellationen des Ödipuskomplexes zu finden. Feindseligkeit und Schuldgefühle, Rache und Vergeltung, Eifersucht und Versöhnung münden in die Phantasie des „Familienromans“ ein. Durch die Verleugnung der Eltern kann man sich vom Schuldgefühl des Inzestes entlasten, man darf den gegengeschlechtlichen Elternteil begehren, aber auch den gleichgeschlechtlichen schuldfreier hassen. Angst und Bewunderung werden vom leiblichen Vater abgelenkt und an die Person eines allmächtigen, hochgestellten, in die ferne Vergangenheit zurückgeschobenen Vaters geheftet.

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