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PEP-Web Tip of the Day

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Leggewie, C. (2001). Rezensionsessay: Gerd Koenen, Das Rote Jahrzehnt. Unsere kleine deutsche Kulturrevolution 1967-1977, Köln 2001, 554 Seiten, Verlag Kiepenheuer & Witsch, DM 54,-. Luzifer-Amor, 14(28):130-138.

(2001). Luzifer-Amor: Zeitschrift zur Geschichte der Psychoanalyse, 14(28):130-138

IV REZENSIONEN

Rezensionsessay: Gerd Koenen, Das Rote Jahrzehnt. Unsere kleine deutsche Kulturrevolution 1967-1977, Köln 2001, 554 Seiten, Verlag Kiepenheuer & Witsch, DM 54,-

Review by:
Claus Leggewie

(…)

Dem, der Kaderwelsch hört

Vergeht das Essen

Dem, der es spricht

Vergeht das Hören.

Bertolt Brecht,

(Die neue Mundart, Buckower Elegien)

„Sich zum Historiker der eigenen Lebensgeschichte zu machen, wenn man selbst Akteur gewesen ist, ist ein zweifelhaftes, wenn nicht unmögliches Unternehmen“. Mit dieser Einsicht hebt ein neues, mehr als 500 Seiten starkes Kompendium über „unsere kleine deutsche Kulturrevolution 1967-1977“ an. Der Autor will „keine wissenschaftliche Darstellung“ geben, sondern „ein aus Texten, Szenen, Berichten und Erinnerungen gemischtes Bild“ (9). Er ist ein guter Erzähler, der etwa seine bizarre Dienstreise als Funktionär des Kommunistischen Bundes Westdeutschland (KBW) nach Albanien aus selbstironischer Distanz zu schildern weiß. Doch steht ihm die Prosa seiner Gegenstände im Weg: „Habe ich das wirklich erlebt? Und wie habe ich das damals gesehen und empfunden?“, fragt er sich, und fährt fort: „Ich meine, annähernd schon so, wie ich es jetzt beschreibe. Jedenfalls ging mir jede echte Begeisterung ab“ (210).

Das nehme ich Koenen nicht ganz ab, aber diese Rationalisierung unterläuft vielen seiner Generation. Eben deswegen ist sie nicht unbedingt berufen, die Geschichtsschreibung dieser Epoche selbst in die Hand zu nehmen, doch auch in der FAZ leitartikelt sie heute im gleichen, allwissenden und rechthaberischen Brustton der Überzeugung wie damals in der Autonomie, im Freibeuter, im Pflasterstrand oder in der taz. Es ist ja keine Seltenheit, daß Sieger die Geschichte ihrer Revolutionen und Kriege aufschreiben; die Geschichtsschreibung des Deutschen Reiches etwa oblag kleindeutschen Historikern, deren Version alles noch schlimmer machte.

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