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Schlink, B. (2006). Sternstunde in Pasewalk: Zwei Bücher über Hitlers Kriegsneurose. Luzifer-Amor, 19(37):134-136.

(2006). Luzifer-Amor: Zeitschrift zur Geschichte der Psychoanalyse, 19(37):134-136

Kleine Mitteilungen

Sternstunde in Pasewalk: Zwei Bücher über Hitlers Kriegsneurose

Bernhard Schlink

Am 21. Oktober 1918 wurde der Gefreite H. in die Station für Kriegsneurotiker des Preußischen Lazaretts Pasewalk eingeliefert. Seine Erblindung, in der H. selbst die Folge eines Gasangriffs mit Gelbkreuz sah, wurde vom behandelnden Arzt Dr. F. als hysterische Blindheit diagnostiziert. F. war über der Beschäftigung mit Kriegsneurosen »der psychoanalytischen Methode der Freud'schen Schule« nähergekommen, hatte eine Studie über seine Erfahrungen mit dieser Methode zu schreiben begonnen und war mit Freud in einen brieflichen Kontakt getreten, in dem er nicht nur Rat zu einzelnen Fällen, sondern auch grundlegende Belehrung suchte.

Dem Drängen F.s, einen seiner Aufenthalte in Berlin zu einem Besuch in Pasewalk zu nutzen, gibt Freud im Oktober 1918 nach. Er sieht, daß die psychoanalytische Behandlung im Kriegslazarett unter besonderen Bedingungen stattfindet: der Arzt hat viele Patienten und wenig Zeit, kann dem einzelnen Patienten nur zwei, drei Sitzungen widmen und hat es überdies nur selten mit sprachlich kompetenten Patienten aus dem Bürgertum zu tun. Die Herausforderung einer psychoanalytischen Behandlung unter diesen Bedingungen reizt Freud. Während seines eintägigen Besuchs in Pasewalk empfängt er H. zu einer Sitzung. Danach ist der bis dahin schüchterne, stille, linkische H. nicht wiederzuerkennen. Er sieht nicht nur wieder, sondern ist auch selbstbewußt, willensstark, wortgewaltig. In seinen Erinnerungen schließt H. die knappe Beschreibung seines Aufenthalts in Pasewalk mit dem Satz ab: »Ich aber beschloß, Politiker zu werden.«

Was hat Freud mit Hitler gemacht? Nichts natürlich.

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