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Schröter, M. (2006). Sanford Gifford, Daniel Jacobs, Vivien Goldman (Hg.): Edward Bibring fotografiert die Psychoanalytiker seiner Zeit (1932-1938). Aus dem Amerikanischen von Daniela Bone und Antje Becker. Gießen (Psychosozial) 2005, 210 Seiten. 29.90 Euro.. Luzifer-Amor, 19(37):172.

(2006). Luzifer-Amor: Zeitschrift zur Geschichte der Psychoanalyse, 19(37):172

Sanford Gifford, Daniel Jacobs, Vivien Goldman (Hg.): Edward Bibring fotografiert die Psychoanalytiker seiner Zeit (1932-1938). Aus dem Amerikanischen von Daniela Bone und Antje Becker. Gießen (Psychosozial) 2005, 210 Seiten. 29.90 Euro.

Review by:
Michael Schröter

Der in einem hübschen kleinen Querformat daherkommende Band versammelt Photos, die Bibring auf IPV-Kongressen von Wiesbaden (1932) bis Paris (1938) gemacht hat. Mit ihm beginnt das Archiv der Boston Psychoanalytic Society, Teile seiner Schätze der Öffentlichkeit darzubieten. Anders als bei dem Prachtband von Gidal über Luzern (1934) handelt es sich hier um Aufnahmen eines Hobby-Photographen. Der Band gewinnt dadurch das Gepräge eines Familienalbums - Zeugnis einer Zeit, in der die Gruppe der Freud-Schüler noch durch ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl und viele Freundschaften vereint war. Wir sehen Ernest Jones im Bewußtsein seiner präsidialen Würde bei einem Schiffsausflug, Anna Freud und Melanie Klein als Tischnachbarinnen, den weißbärtigen Ludwig Jekels umringt von sechs jungen Frauen, erkennen in Jeanne Lampl-de Groot ein holländisches meisje und freuen uns über ein Bild von Colonel Daly. Von der Kunstlosigkeit dieser Photos, der Zwanglosigkeit, mit der sich die meisten der Abgebildeten darin geben, geht ein großer Zauber aus.

Allerdings: der Zauber wirkt nur, wenn man die Bilder mit Namen verknüpfen kann. Zu viele Personen jedoch bleiben anonym. Und schlimmer: manche Angaben sind offenbar irrig. Bei drei Identifikationen von Max Eitingon (S. 39, 73, 87) stimmt weder die Pose noch die Glatze. Ein angeblicher Carl Müller-Braunschweig ist Felix Boehm (S. 94) - im Gespräch mit Anna Freud 1937. In den Legenden wundert man sich über »Siegfried Foulks« für Siegmund Heinrich Fuchs/Foulkes (S. 70). Unzuverlässig sind auch die beigefügten Kurzbiographien. Nur ein Beispiel für viele (S. 188): Martin Freud war im Ersten Weltkrieg nicht bei der Kavallerie, sondern bei der Artillerie, er kam nicht an der galizischen, sondern an der italienischen Front in Gefangenschaft, und der Satz: er »trug dazu bei, die finanziellen Probleme des Psychoanalytischen Verlags zu beheben« verfehlt seine Funktion als Leiter des Verlags nach dessen Fast-Bankrott 1932. Man muß übrigens bei einem solchen Band ein Register erwarten dürfen. Schade! Es ist ein schönes Familienalbum, aber mit Mängeln.

Michael

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