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Kemper, W. (1949). MEHRZEITIGE FEHLHANDLUNGEN. Psyche – Z Psychoanal., 3(1):77-80.

(1949). Psyche – Zeitschrift für Psychoanalyse, 3(1):77-80

MEHRZEITIGE FEHLHANDLUNGEN

Werner Kemper

Wer einmal die Geschichte der modernen Psychotherapie schreibt, wird, wenn er die einzelnen Entwicklungsetappen ihrer Forschungsarbeit bespricht, eingangs den sogenannten Fehlhandlungen (versprechen, verlegen, vergessen, verwechseln, ver…) besondere Würdigung zuteil werden lassen müssen. Überzeugender und müheloser als das Studium der Träùme, erst recht das der neurotischen Symptomatik, ist es die Aufdeckung des verborgenen Sinngehaltes der scheinbar sinnlos-zufälligen Fehlhandlungen gewesen, die auch für den bisher Außenstehenden zu einem ersten Erfassen gewisser — tiefenpsychologischer — Zusammenhänge führte. Als ein der Psychologie des Normalen zugehöriges Phänomen vermochte die Fehlhandlung dank ihrer Zugänglichkeit für jedermann und dank ihrer oft so verblüffend sinnfälligen Deutbarkeit anfangs die besondere Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. So wurde die tiefenpsychologische „Entdeckung“ der Fehlhandlung in ihrem überraschend sinnvollen Unsinn — wenn man nämlich erst das Ver-rückte zurechtzurücken vermocht hatte — zu einem der ersten und bedeutsamsten Marksteine auf dem Wege der Entdeckungsreise in die terra incognita des sogenannten Unbewußten, wie ihn die junge Wissenschaft vor wenigen Jahrzehnten antrat, ohne damals ahnen zu können, von welch geradezu kosmischem Ausmaß sich diese „Neue Welt“ noch erweisen würde.

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