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v. Haselberg (1955). SOZIALPSYCHOLOGIE: von Friedeburg, Ludwig: Die Umfrage in der Intimsphäre. 4. Heft der Beiträge zur Sexualforschung, Stuttgart 1953. 95 Seiten.Schelsky, Helmut: Wandlungen der deutschen Familie in der Gegenwart. Darstellung und Deutung einer empirisch-soziologischen Tatbestandsaufnahme. Dortmund 1953. 357 Seiten.. Psyche – Z Psychoanal., 9(4):765-769.

(1955). Psyche – Zeitschrift für Psychoanalyse, 9(4):765-769

SOZIALPSYCHOLOGIE: von Friedeburg, Ludwig: Die Umfrage in der Intimsphäre. 4. Heft der Beiträge zur Sexualforschung, Stuttgart 1953. 95 Seiten.Schelsky, Helmut: Wandlungen der deutschen Familie in der Gegenwart. Darstellung und Deutung einer empirisch-soziologischen Tatbestandsaufnahme. Dortmund 1953. 357 Seiten.

Review by:
  v. Haselberg

Die Schrift von Friedeburg verarbeitet das Material einer Umfrage, welche das Institut für Demoskopie im Herbst 1949 veranstaltete. Auftraggeber der Umfrage war eine populäre Zeitschrift, „Wochenend“, die zehn Nummern hindurch über einzelne Fragenkomplexe des Gesamtthemas berichtete. Diegleiche Zeitschrift war in den Jahren vor der Währungsreform dadurch bekannt, daß sie der damaligen, heute libertinistisch anmutenden und gründlich vergessenen Diskussion über Reformen der Ehe und der Unehelichkeitsrechte viel Raum widmete. In diesem Zusammenhang gewinnen die Feststellungen, über die F. berichtet, den Charakter einer Antithese: die Familie und die hergebrachte Form der Ehe sind doch stabil, doch richtig; es ist gleichsam nichts passiert, die Aussagen weisen in nichts auf einen durchlebten Schock hin. Statt dessen ist, gerade im Unterschied zu dem häfig als Modell zitierten Kinsey, die Rolle zu vermerken, die in der demoskopischen Umfrage eine vage vorfühlende Psychologie („Fühlen Sie sich manchmal sehr allein?“) spielt.

Angesichts des Materials, das solche Umfragen erbringen, gilt die erste Frage dem Verhältnis, das zwischen den Angaben, der Lebenspraxis und den Verdrängungen der Befragten besteht. F. bemerkt hierzu, daß die Proportion zwischen Auskunftswilligen (75 %) und solchen, die es ablehnten, sich zu den ungewohnten Fragen zu äußern, nicht von den bei unverfänglicheren Umfragen üblichen Prozentverhältnissen abwich. Direkte Formulierung der Fragen, unumwundene Nennung der Sachverhalte, Sachlichkeit und Sicherheit ermöglichten „am besten die Herstellung einer wissenschaftlichen Untersuchungsatmosphäre im Interview“. „Evasive terms invite dishonest answers“, hatte Kinsey bereits festgestellt; ob nun aber in Deutschland die Entgegensetzung von honest und dishonest in Beziehung auf sexuelle Dinge die gleiche Sphäre meint wie in Nordamerika, ist gerade fraglich. Die Antworten klingen nämlich so, als seien die Befragten bemüht gewesen, einen „anständigen“ Gesamteindruck zu machen.

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