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Eissler, K.R. (1968). ZUR NOTLAGE UNSERER ZEIT: Ein Schreiben an Herrn Professor Alexander Mitscherlich anläßlich seines 60. Geburtstages. Psyche – Z Psychoanal., 22(9-11):641-657.

(1968). Psyche – Zeitschrift für Psychoanalyse, 22(9-11):641-657

ZUR NOTLAGE UNSERER ZEIT: Ein Schreiben an Herrn Professor Alexander Mitscherlich anläßlich seines 60. Geburtstages

K. R. Eissler, M.D.

Verehrter Herr Mitscherlich:

Als vor nicht allzu langer Zeit sich einige Freunde trafen, erstreckte sich das Gespräch bald auf das landläufige Thema der großen Krise, in der sich Amerika derzeit befindet. Diesmal wurde die Frage aufgeworfen, was wohl deren letzte Gründe seien.

Wie Sie sich vorstellen können, war einer da, der den gegenwärtigen Niedergang der Religion dafür verantwortlich machte, ein anderer, der sozial-politische Krisen wie Klassenkampf und imperialistische Tendenzen als die Triebfedern ansah. Sie kennen wahrscheinlich besser als ich die verschiedenen Kategorien, die von Intellektuellen zur Erklärung unlustvoller historischer Ereignisse verwendet werden. Wie so oft in der Wissenschaft und im Leben, ist man geneigt, sich angesichts der Komplexität des Problems einem Eklektizismus zuzuwenden und es bei einer Pluralität der Verursachungen bewenden zu lassen.

In der Tat fühlt man sich skeptisch, wenn Gelehrte gewaltige historische Ereignisse kausal auf einen Nenner reduzieren. Sie kennen die Theorie, daß die Metallkrise, das Abwandern des Silbers, den Untergang des Römischen Reiches verursacht habe. Neulich las ich durch Zufall, daß ein Forscher in der chronischen Bleivergiftung, der die Römer angeblich durch ihre Art der Wasserversorgung ausgesetzt waren, den Hauptgrund der historischen Katastrophe fand. Ich erinnere mich an eine Diskussion in der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung über diesen Gegenstand, in der ein sehr bedeutender Analytiker die These aufstellte, daß der letzte Grund die Unfähigkeit des Ichs gewesen sei, Versagungen zu ertragen. Es wäre notwendig gewesen, bestimmte Reformen durchzuführen, die von dieser oder jener sozialen Gruppe Opfer erfordert hätten, und deswegen nicht durchgeführt werden konnten. Es wäre dieser Theorie zufolge letztlich der Egoismus des Ichs gewesen, der die gewaltige Organisation des Römischen Reiches zu Fall brachte.

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