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Dornes, M. (1992). Lichtenberg, Joseph: Psychoanalyse und Säuglingsforschung. Übersetzt von Matthias Baumgart. Berlin/Heidelberg/New York (Springer) 1991. 241 Seiten, 78 DM.. Psyche – Z Psychoanal., 46(9):884-888.

(1992). Psyche – Zeitschrift für Psychoanalyse, 46(9):884-888

Buchbesprechungen

Lichtenberg, Joseph: Psychoanalyse und Säuglingsforschung. Übersetzt von Matthias Baumgart. Berlin/Heidelberg/New York (Springer) 1991. 241 Seiten, 78 DM.

Review by:
Martin Dornes

Lichtenbergs Buch, 1983 auf englisch erschienen, liegt jetzt in deutscher Übersetzung vor. Als erste Monographie zum Thema Psychoanalyse und Säuglingsforschung hat es die Diskussion um das Verhältnis beider Disziplinen in Gang gebracht und ist nach kurzer Zeit zu einem vielzitierten modernen Klassiker geworden. Seine zentrale Frage lautet: Welche Bedeutung kann die Säuglingsforschung für die psychoanalytische Theorie und Praxis haben? Die Antwort ist: Eine beträchtliche.

Dieses Programm wird in vier Teilen entfaltet. Die ersten beiden behandeln die Neugeborenenzeit und das erste Lebensjahr. Lichtenberg beschreibt, wie die Säuglingsforschung die vorherrschende Ansicht vom Kleinkind verändert hat. Bisher wurde es in der Psychoanalyse überwiegend als passives, undifferenziertes, seinen Trieben ausgeliefertes Wesen betrachtet, das in einem langen und dramatischen Kampf die Schrecken dieser Zeit der Hilfslosigkeit und Abhängigkeit bewältigen muß. Diese Sichtweise gibt einen Teil der Säuglingserfahrung als ihr Ganzes aus und bedarf der Revision.

Das Ergebnis ist eine neue Sicht der ersten 1½ Lebensjahre. Folgende Konturen zeichnen sich ab: Der Säugling ist von Geburt an aktiv und immer auf der Suche nach Reizen. Er will sie nicht loswerden oder abführen, sondern von ihnen angeregt werden, und verfügt über eine erstaunliches Repertoire im Umgang damit.

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