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Knoell, D.R. (1993). Die doppelte als einseitige Vergangenheitsbewältigung. Tilmann Mosers analytisch-therapeutischer Beitrag zum geistigen Wiederaufbau. Psyche – Z Psychoanal., 47(8):775-794.

(1993). Psyche – Zeitschrift für Psychoanalyse, 47(8):775-794

Kritische Glosse

Die doppelte als einseitige Vergangenheitsbewältigung. Tilmann Mosers analytisch-therapeutischer Beitrag zum geistigen Wiederaufbau

Dieter Rudolf Knoell

1

»Das ist nicht Analyse, sondern pure, weinerliche Stimmungsmache, die Moritat wird zum Ersatz von Nachdenken, die Schauergeschichte über das Einzelschicksal zur Denunziation des Versuchs, nicht alles Unrecht ins pure Vergessen geraten zu lassen« (Moser, 1991, S. 313).

So lautet der Schluß von Tilmann Mosers Weltbühne-Artikel »Permanent gepflegte Bitterkeit«. Wie es ihm nach eingehender Weltbühne-Lektüre zumute war, teilt er gleich zu Beginn des Artikels mit, in dem er dann vor allem eines tut - austeilen:

»Als ich Ende Oktober die letzten drei Nummern der Weltbühne an einem freien Nachmittag hintereinanderweg las, war mir hinterher elend wie nach verdorbener Nahrung, obwohl manche Aufsätze gedankenreich und informativ sind. Als ich mich mit dem Anstreich-Stift ans genauere Durcharbeiten machte, konnte ich manches von dem Verdorbenen genauer bezeichnen. Also gleich mit der Wut verletzter Sympathie zur Sache, ohne den Eiertanz der schonenden Vorsicht: Mit so viel demagogisch-linker Kritik, so viel Selbstmitleid, so viel verhetzter antikapitalistischer Moritatenliteratur, so viel selbstgenießerischer Bitterkeit wird die Weltbühne im Westen nur in den Schmollwinkeln sozialistischen Fernwehs wahrgenommen werden, wo noch der Glaube herrscht, in Kuba werde der Gral der gerechten Gesellschaft aufbewahrt« (Moser, 1991, S. 311).

Bühne frei für den Weltbühne-Kritiker. Die Aufführung des Stücks könnte man sich eigentlich sparen, wenn die Dramaturgie so durchsichtig und der Ausgang so klar vorhersehbar ist. Linke Kritik ist, wie könnte es anders sein, demagogisch, Antikapitalismus verhetzt, Bitterkeit selbstgenießerisch. Von solcher Art sind ja heute die Tautologien und Pleonasmen. So weiß man doch wenigstens gleich, was und wie man zu denken hat. Das spezielle tautologische Muster deutet freilich bereits darauf hin, daß hier ein Denken am Werk ist, das sich, vielleicht schon aus Gründen der Sparsamkeit, gewisse Rationalisierungen im Politischen durchaus gestattet.

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