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Vogt, R. (1995). Rainer Werner Fassbinders »Der Müll, die Stadt und der Tod« — eine deutsche Seelenlandschaft. Psyche – Z Psychoanal., 49(4):309-372.

(1995). Psyche – Zeitschrift für Psychoanalyse, 49(4):309-372

Rainer Werner Fassbinders »Der Müll, die Stadt und der Tod« — eine deutsche Seelenlandschaft

Rolf Vogt

Fassbinders Theaterstück von 1976 hat wie kein zweites »Kunstereignis« die öffentliche Meinung in der Bundesrepublik erregt und eine Kontroverse hervorgerufen, deren Nachbeben noch heute zu spüren ist. In einer behutsamen psychoanalytischen Interpretation attestiert Vogt dem Stück zunächst, es leiste die künstlerische Darstellung der unbewußten Problemlage der zweiten nichtjüdischen deutschen Generation in ihrem Verhältnis zum Nationalsozialismus. Diese Problemlage, die mit entlehnten Schuldgefühlen zu tun habe, werde bei Fassbinder freilich nur dargestellt, nicht bearbeitet, so daß, gewissermaßen hinterrücks, alle jene Identifikationen mit deutschen Traditionen sich wieder einschleichen und virulent werden, die man bewußt ablehnt. Der Autor zeigt, daß auf dem Grunde des Fassbinder-Stücks jener Schuldabwehrmechanismus wirksam ist, der die historische Täter-Opfer-Relation verkehrt und die Deutschen zu den eigentlichen Opfern macht. Im zweiten Teil seiner Arbeit geht es Vogt darum, das »Müllstück« und die darum entbrannte Kontroverse in einen größeren politischen Zusammenhang zu stellen — Bitburg (1985), Historikerstreit (1986), Jenninger-Rede (1988) —, der eine deutsche Seelenlandschaft sichtbar werden läßt, für deren Tiefenschichten Fassbinders Stück bloß symptomatisch ist: Fassbinder, Jahrgang 1945 artikuliert für seine Generation Aspekte einer »ethnischen Störung« (Georges Devereux), die nicht vergeht, weil es eine Vergangenheit gibt, »die nicht vergehen will« (Ernst Nolte).

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