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Reichmayr, J. (2002). Eine Tagung zur Ethnopsychoanalyse in Zürich. Psyche – Z Psychoanal., 56(11):1153-1156.

(2002). Psyche – Zeitschrift für Psychoanalyse, 56(11):1153-1156

Kongreßbericht

Eine Tagung zur Ethnopsychoanalyse in Zürich

Johannes Reichmayr

Die Tagung »Das Schicksal der Ethnopsychoanalyse in Theorie und Praxis«, die am 14. Dezember im Zürcher Völkerkundemuseum begann und am nächsten Tag in den Räumlichkeiten der Helferei Grossmünster fortgesetzt und abgeschlossen wurde, wurde vor allem von ehemaligen Studenten von Maya Nadig und Mario Erdheim organisiert und inhaltlich ausgefüllt. Sie waren eine lose Gruppe, die in den letzten Jahren das klein gewordene Fähnlein der Ethnopsychoanalyse auch auf Zürcher akademischem Boden und speziell am Ethnologischen Seminar gegen den Mainstream hochhielten. Für die Interessenten an der Tagung war es aber nicht klar, welche Wendung das Schicksal mit der Ethnopsychoanalyse an diesem Ort vorgenommen hatte, ob sie nun begraben oder wiederbelebt werden sollte oder gar erfreulichen Nachwuchs zu verzeichnen hätte.

Knapp hundert Teilnehmer konnten als Fazit des ersten Tages festhalten: Die Ethnopsychoanalyse auf akademischem Boden ist zwar geschrumpft, in der lokalen Szene hat sie sich aber einen Überlebensraum in der psychosozialen Beratungsarbeit mit Flüchtlingen und Migranten geschaffen und damit gleichzeitig ein neues Berufsfeld für Ethnologen und Psychologen abgesteckt. Im psychosozialen Feld der Arbeit mit Migranten und Flüchtlingen gingen in den letzten Jahren deutliche Professionalisierungs- und Spezialisierungsprozesse vor sich, bei denen auch ethnopsychoanalytische Denktraditionen eine Rolle spielten.

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