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Ruff, W. (2006). Die 68er-Bewegung aus der Sicht eines früheren Kriegskinds. Psyche – Z Psychoanal., 60(7):670-673.

(2006). Psyche – Zeitschrift für Psychoanalyse, 60(7):670-673

Kontroverse

Die 68er-Bewegung aus der Sicht eines früheren Kriegskinds

Wilfried Ruff

Unser individuelles Erleben prägt unsere Sichtweise jener Ereignisse, denen wir eine besondere Bedeutung für unsere Entwicklung beimessen, so daß wir zur Verallgemeinerung neigen. Wer wie Leuschner (geb. 1939) und ich (geb. 1937) den Zweiten Weltkrieg noch bewußt erlebt und erlitten hat, wird ihn als prägendes Element seiner Kindheit beurteilen. Dennoch werden unterschiedliche Kriegs- und Nachkriegs-Erlebnisse verschiedene Eindrücke hinterlassen haben, so daß - wie Leuschner zu Recht feststellt (S. 373) - die Generation der Kriegskinder keine Einheit bildet (was in differenzierter Weise das gegenwärtige Projekt «Kriegskindheit» von M. Ermann aufzeigen will). Wenn Leuschner dennoch vermutet, daß eine Mehrheit von Kriegskindern «real von Infantizidimpulsen ihrer Väter nicht weniger bedroht, vielevielleicht schwerer traumatisiert alsihre rebellischen Geschwister» (der «68er») gewesen seien, muß ich widersprechen. Selbst wenn das als Erklärung für einen (kleinen) Teil der Kriegskinder gelten mag, scheint mir Leuschner dabei seinen Blick zu sehr auf Väter als Mitschuldige von Naziverbrechen zu fixieren. Sie sind es auch, mit denen er seine Glosse beginnt, nämlich mit den «älteren Männern am Straßenrand» bei Demonstrationen 1968, die «mit wilden Haßtiraden […] offenbarten […], was sie in Wirklichkeit als Soldaten gewußt, selbst getan oder mitgetragen und immer zu verleugnen gesucht hatten».

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