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Leuschner, W. (2007). Was uns süchtig nach Filmbildern macht. Psyche – Z Psychoanal., 61(12):1189-1210.

(2007). Psyche – Zeitschrift für Psychoanalyse, 61(12):1189-1210

Was uns süchtig nach Filmbildern macht

Wolfgang Leuschner

Übersicht: Ausgehend von Traumstimulations-Experimenten wird die besondere Anziehungskraft von Filmen durch das Zusammenspiel von drei Faktoren erklärt. Malteserkreuz und Flügelblende produzieren technisch eine Unterbrechung des natürlichen Wahrnehmungsvorgangs und erzeugen so eine innere Leere, die unabhängig von den konkreten Filminhalten einen affektiven Erregungszustand wachruft. Sie schaffen damit intrapsychisch Verhältnisse, die zusammen mit dem Ambiente der Kinosäle einen spezifischen Film-Ich-Zustand entstehen lassen. Dieser gleicht einem Ich-Zustand beim Einschlafen, der maßgeblich von Interaktionsformen der frühen Mutter-Kind-Beziehung gestaltet und weitgehend körperlicher Natur ist. Wie beim Einschlafen entdifferenziert sich das Film-Ich, indem Selbstrepräsentanzen tendenziell mit einer Welt von frühen Objektrepräsentanzen zu verschmelzen beginnen und damit Wahrnehmungsmodi der frühkindlichen Stillorganisation wiederbeleben. Dadurch ist dem Filmzuschauer eine synästhetische Empfänglichkeit eigen, die sich von dem bewußtseinsklaren außenorientierten Wahrnehmungstyp der Wachheit unterscheidet. Filmbilder werden nun vornehmlich im Medium eines verstärkt besetzten Körper-Ichs wahrgenommen. Infolge dieser Ich-Regression können die Filmbilder mit Phantasien aufgeladen werden, die aus dem Urszenenkomplex stammen. Wie beim Traum verhüllt die manifeste Filmstory das Latente, das als unerledigter Reiz die Sucht nach Filmbildern weiter anstachelt.

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